London Aquatics Centre

             
                 

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Beschreibung

    • Das Dach des London Aquatics Centres: wie eine Meereswelle – erstarrt, um den Augenblick zu überdauern.

      Das London Aquatics Centre von Zaha Hadid Architects war der letzte Baustein und der krönende Abschluss der Großbaustelle Olympia London 2012. Pünktlich ein Jahr vor Eröffnung der Olympischen Spiele kann nun der Probelauf beginnen.
      Das Faszinierende und teilweise auch Irritierende an der Form des Aquatics Centres ist die Leugnung jeglicher Masse. Das elegant geschwungene Dach scheint trotz des immensen Volumens kein Gewicht zu besitzen und wirkt, als würde es schweben. An drei Stellen berührt es den Boden und leitet so die immensen Kräfte der versteckten Stahl-Raumfachwerk-Konstruktion in den Boden ein. Damit verliert das Dach seine bloße raumbegrenzende Funktion und wird zu einem eigenen architektonischen, plastischen Element. Zaha Hadid ließ sich bei der Planung des London Aquatics Centres durch Bewegungen von Wasser und durch Unterwasserwelten inspirieren.

      Ein unschöner Kompromiss

      Für das Gebäude wird es einen Olympic Mode und einen Legacy Mode geben, denn nach den olympischen Spielen wird die Austragungsstätte so umgebaut, dass sie als öffentliches Trainingszentrum genutzt werden kann. Dazu wird das Aquatics Centre auf 2.500 Sitzplätze verkleinert. Zum Vergleich: während der olympischen Spiele werden 15.000 Sitzplätze benötigt. Eine flexible Sportstätte in dieser Größenordnung zu erstellen, ist eine immense Herausforderung für Planer. Das Ganze dann auch noch in eine gute Architektur zu packen, eine noch viel größere.
      Leider ist der Kompromiss zwischen den Plänen der Architekten und den finanziellen Vorgaben nicht zufriedenstellend gelungen. Die bogenartigen Öffnungen zwischen Dach und Boden sollen mit großflächigen Glasfassaden ausgefüllt werden, so zumindest der ursprüngliche Plan. Allerdings werden an die elegant geschwungene, organische Form zwei zusätzliche Tribünenbauten „geklebt“, und dies ausgerechnet an die Stelle der Glasfassaden. Doch damit nicht genug. Die Konstruktion der Tribünenbauten ist teilweise sichtbar und alles wirkt insgesamt roh und unfertig, die Intention von Zaha Hadid kann man nur noch erahnen.
      Ein Gebäude so zu planen, dass es auch nach den olympischen Spielen effizient genutzt werden kann, ist sicherlich sinnvoll. Die Anbauten allerdings sind eine Ohrfeige für das ästhetische Empfinden. Zaha Hadid jedenfalls dürfte mit dieser Lösung kaum glücklich sein.

      Schwimmen im Innern eines Wals

      Glücklicherweise hat dieser Fauxpas nur wenig Einfluss auf den Innenraum, der in typischer Zaha-Hadid-Manier Spektakuläres zu bieten hat. Und im Inneren integrieren sich die Tribünenbauten auch glücklicherweise besser in das Gesamtwerk, als sie es von außen tun. Der Hauptraum mit dem 50-Meter-Schwimmbecken und einem Tauchbecken wird bestimmt von der organisch geformten Decke, die mit ihrer dunklen Verkleidung an das Innere eines Walbauchs erinnert. Auf beiden Seiten des „Bauches“ steigen die langen Reihen der Zuschauertribünen hinauf. An einem Ende des Beckens befinden sich drei Sprungtürme aus Sichtbeton, die wie Zungen in den Raum ragen.
      Edler Sichtbeton bestimmt auch die Zugangswege und Verkehrszonen des Innenraums, kontrastiert durch weiße, schlichte Fließen. Ein weiterer Raum mit einem Übungsbecken wirkt fast nüchtern und schlicht und lässt kaum die Handschrift Zaha Hadids erkennen. Die Sichtbetondecke mit einem interessanten Blatt-Muster aus Oberlichtern hingegen schafft einen edlen und monumentalen Innenraum.
      Angesichts der sanft wallenden Formen könnte man fast vergessen, dass hinter der leicht erscheinenden Architektur Unmengen von Stahl Höchstleistungen vollbringen. Nur zum Vergleich: Das Dach des benachbarten Velodroms kommt mit 300 Tonnen Stahl aus, während im Dach des Aquatics Centres das Zehnfache verbaut wurde.
      In London kann man sich durchaus glücklich schätzen, dass das Geld nicht für langweiligere Gebäude ausgegeben wurde und die Stadt mit dem Aquatics Centre nun um ein imposantes Bauwerk reicher ist. Es bleibt aber zu hoffen, dass das Gebäude nach den olympischen Spielen seinen unansehnlichen Kokon loswerden kann, um seine endgültige Gestalt zu offenbaren.

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Kennzahlen

    • Baujahr: 2012
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